Günsbach
hat in verschiedener Hinsicht einen grossen Einfluss auf Albert
Schweitzer ausgeübt. Der Besuch der Dorfschule hat ihn nach seinen eigenen Worten vor der
Überheblichkeit jener bewahrt, die nur das Gymnasium besuchen und keinen Kontakt zur
einfachen Bevölkerung haben. Die Erfahrung, als «Herrenbüble» und «Pfarrerssöhnle»
abgestempelt zu sein, machte ihn fürs ganze Leben bereit, jedem Menschen ohne Vorurteile
zu begegnen. Vom Umgang des Vaters mit seinen Gemeindegliedern lernte er, mit allen Leuten
ins Gespräch zu kommen. Wenn er später so gut Bescheid wusste über Handwerk, Gartenbau
und Baumpflege, verdankte er das den Gesprächen mit den Dorfbewohnern, mit denen er
lebhafte Beziehungen unterhielt. Die Rückkehr nach Günsbach brachte ihm jedes Mal das
beglückende Erlebnis, heimzukommen. Auf dem Friedhof sind die Gräber seiner Eltern.
Dieses Haus hat Albert Schweitzer 1928 mit
dem Geld des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt gebaut, um sich in dem Dorf, mit dem er
seit
mehr als 50 Jahren verbunden war, den ruhenden Pol in seinem
bewegten Leben zu schaffen.
Hier wohnte er, wenn er nicht in Afrika oder irgendwo unterwegs war. Das Haus war die Drehscheibe zwischen dem Spital und dessen Freunden in aller Welt. Von hier aus wurden die Konzert- und Vortragsreisen vorbereitet und die Bestellungen für Lambarene geregelt. Albert Schweitzers Frau Helene und Frau Emmi Martin haben durch ihr Wirken in diesem Haus einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen seines Werkes geleistet.
Dadurch, dass Albert Schweitzers Tochter Rhena das Haus ihres Vaters der Internationalen Albert-Schweitzer-Vereinigung (AISL) schenkte, wurde es möglich, einige Räumlichkeiten als einfaches Museum zugänglich zu machen. Kamen früher vor allem ältere Leute, die den Urwalddoktor noch gekannt hatten, so sind es heute auch viele junge Menschen, die sich von seinem Leben und Denken angezogen fühlen. Und davon spricht dieses Haus in eindrücklicher Sprache.
Rechts vom Eingang befindet sich das bescheidene
Schlaf- und Arbeitszimmer, das so geblieben ist, wie es Schweitzer bei seinem letzten
Besuch im Jahre 1959 zurückgelassen hat. Einzig seine Wiege, die lange Zeit noch in der
Familie weiterbenützt worden ist, kam später dazu. Unübersehbar steht in einer Ecke die
Kopie eines Kopfes, der zu einem Denkmal gehörte, das früher in Colmar stand. Nach
seinen eigenen Worten ist Schweitzer als Knabe und als junger Mann immer wieder dorthin
gegangen, weil ihn der schwermütige Gesichtsausdruck des Afrikaners in seinen Bann zog.
Die Bilder an den Wänden zeigen Menschen und Orte, die Schweitzer in seinem Leben wichtig waren. Neben den Familienangehörigen sind es Persönlichkeiten aus dem Elsass wie der Reformator Bucer oder Pfarrer Oberlin, der sich als Helfer der Armen im Steintal betätigt hatte.
Im Treppenhaus sind bis zum Dachstock Bilder von Orgeln aufgehängt, auf denen Schweitzer gespielt hat und mit denen er sich verbunden fühlte. Zudem halfen ihm die Orgelkonzerte, das Geld aufzubringen, das er für Lambarene benötigte.
Daneben erinnert das Bild mit den lateinischen Worten «veneratio vitae», das dem Haus von einem japanischen Maler geschenkt worden ist, an die Tatsache, dass Schweitzer seine Welt- und Lebensanschauung in dem Ausdruck «Ehrfurcht vor dem Leben» zusammengefasst hat. Damit fordert er die Menschen auf, ihrem Leben Sinn zu geben und der Welt zu echtem Fortschritt zu verhelfen, indem sie ihre grenzenlose Verantwortung für alles, was lebt, erkennen, ernstnehmen und in die Tat umsetzen.
Die Urkunde des Friedensnobelpreises aus dem Jahre 1952 und die Ehrenbürger-Dokumente verschiedener elsässischer Städte erinnern an die Anerkennung, die Schweitzer im In- und Ausland gefunden hat.
Der Familienstammbaum weist darauf hin, dass der Existentialist Jean Paul Sartre ein Grosscousin von Schweitzer gewesen ist.
Bilder vom Spital in Lambarene von einst und heute machen deutlich, dass die dort geleistete Hilfe, die Menschen und Tieren zugute kommt, nichts von ihrer Notwendigkeit verloren hat.
Im ehemaligen Wohnzimmer fällt der Blick zuerst auf das Tropenklavier mit angehängtem Orgelpedal, das Schweitzer bei seiner ersten Ausreise nach Afrika von der Pariser Bachgesellschaft geschenkt erhielt und das ihm die Möglichkeit bot, mitten im Urwald weiter Orgel zu üben.
Neben der Ecke mit Möbeln aus dem elterlichen Pfarrhaus stehen Vitrinen mit Erinnerungsstücken, die wie die darüber aufgehängten Fotografien einzelne Abschnitte des langen Lebens Schweitzers illustrieren. Ferner finden wir hier den kleinen Klapptisch, an dem er während der Überfahrten zwischen Afrika und Europa seine Korrespondenz erledigte, an seinen Büchern schrieb und Fingerübungen machte, wenn er kein Instrument zur Verfügung hatte.
Sonja Poteau, eine langjährige Mitarbeiterin Albert Schweitzers in Lambarene, erledigt heute die grosse Korrespondenz mit den Schweitzer-Freunden rund um den Erdball. Mit ihrem Mann und ihren Mitarbeiterinnen schafft sie auch die Voraussetzungen, dass das vorhandene Material für Forschungsarbeiten verwendet werden kann. Sie kümmern sich um die Durchführung von Tagungen, die sich mit der Bedeutung von Schweitzers Gedankengut für die Gegenwart auseinandersetzen, von Orgel-Interpretationskursen und Konzerten.
DAS ARCHIV
Nach dem Tod Albert Schweitzers im Jahre 1965 hat dessen ehemalige Sekretärin Ali Silver von 1967 an während 20 Jahren den geistigen Nachlass gesammelt und geordnet. 10 000 Briefe Schweitzers und 70 000 Briefe, die ihm geschrieben wurden, die Manuskripte seiner veröffentlichten und unveröffentlichten Bücher und Predigten gehören dazu. Alle wichtigen Dokumente sind auf Mikrofilm festgehalten.
Ebenso werden Zeitungsausschnitte, Dias, Filme, Tonband- und Videokassetten, Tonbänder und Schallplatten gesammelt, die Reden und Orgelkonzerte Schweitzers oder Berichte über das Spital in Lambarene festhalten und so Einblick in sein Leben, Wirken und Denken geben.
Von grosser Bedeutung ist auch die Sammlung von Fotografien aus allen Lebensabschnitten Schweitzers.
Immer wieder kommen Studenten und Dozenten hierher, um wissenschaftlich zu arbeiten. Im Laufe der letzten Jahre sind viele Doktor- und Seminararbeiten über das Leben und Denken Albert Schweitzers entstanden.
DAS EHEMALIGE PFARRHAUSDieses Haus, in dem Albert Schweitzer zwischen 1890 und 1925 regelmässig ein- und ausgegangen ist und das in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat, dient heute als Begegnungszentrum, in dem regelmässig Seminare und Studientagungen durchgeführt werden. Es kann auch für Ferien benützt werden.
DAS AFRIKA-MUSEUM
Emma Haussknecht, eine langjährige Mitarbeiterin Albert Schweitzers, hat auf ihren Reisen in die Dörfer rund um Lambarene eine grosse und wertvolle Sammlung von afrikanischem Kunstgewerbe und Brauchtum zusammengetragen.
Diese ist heute der Öffentlichkeit zugänglich, da der Gemeinderat von Günsbach in entgegenkommender Weise dafür im Obergeschoss der Mairie das ehemalige Klassenzimmer zur Verfügung gestellt hat, in dem Albert Schweitzer die ersten vier Jahre zur Schule gegangen ist. Freiwillige aus dem Dorf betreuen die Ausstellung und halten sie in der Ferienzeit für Besucher offen.
DAS OBERE HAUS
Gegenüber von Albert Schweitzers Haus steht das Haus, in dem sein Bruder mit seiner Familie gelebt hat. Heute werden die Räume für die Bibliothek mit Büchern von und über Albert Schweitzer, zu Studienzwecken und für Kurse und Tagungen benützt.
DER ALBERT-SCHWEITZER-WEG

Der Albert-Schweitzer-Weg führt anhand von 16 Tafeln auf den Spuren Albert Schweitzers durch das Dorf Günsbach. Er beginnt beim Alten Pfarrhaus in der Rue du Docteur Albert Schweitzer 3 und geht hinauf zum Denkmal auf dem Kanzrain. Sein Ende ist beim Albert-Schweitzer-Haus in der Rue du Munster 8. Der Rundgang über die 920 Meter dauert etwa eine Stunde.
Idee und Finanzierung des Weges stammen von Max Schatzmann, die Ausführung besorgte das Albert-Schweitzer-Haus in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Günsbach.
DAS DENKMAL
Fünf Minuten oberhalb des Hauses ist der Kanzrain, ein Felsen, von dem aus man eine wunderbare Rundsicht über das Münstertal geniesst. Hier steht seit 1969 das vom Rodin-Schüler Fritz Behn aus rotem Vogesenstein geschaffene Denkmal von Albert Schweitzer. Er schrieb 1958 dazu: «Hier oben möge ich, in Stein gehauen, meine Freunde empfangen; hier mögen sie meiner gedenken und das Rauschen des Flusses hören, das den Flug meiner Gedanken so oft begleitet hat. Hier ist meine «Kulturphilosophie» entstanden, hier verstand ich Jesus in seiner Zeit. Hier fühlte ich mich ganz zu Hause.»
DIE KIRCHE UND IHRE ORGEL
Aus den Gottesdiensten seines Vaters hat Albert Schweitzer «den Sinn für das Feierliche und das Bedürfnis nach Stille und Sammlung mit ins Leben genommen», die sein Dasein geprägt haben. Dabei ist in ihm auch schon früh das Verständnis für die Anliegen der Mission geweckt worden. Die Tatsache, dass die Kirche von Katholiken und Protestanten für ihre Gottesdienste benutzt wurde, was auch heute noch der Fall ist, hat bei ihm von jung auf die «Neigung zur Toleranz bekräftigt» und später seine wegweisende Haltung im Einsatz für echte Ökumene bestimmt.
Im Alter von acht Jahren hat Schweitzer in dieser Kirche mit dem Orgelspiel begonnen. In den Bemühungen um den rechten Orgelbau galt ihm später die 1931 nach seinen Angaben erbaute Orgel der Günsbacher Kirche als Musterbeispiel für eine Dorforgel, die allen an sie gerichteten Anforderungen gerecht wird.
Das Instrument wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. 1961 baute der Orgelbauer Alfred Kern aus Strassburg nach den Vorgaben Albert Schweitzers eine neue Orgel, die er sein «letztes Werk» nannte und deren Einweihung er in Lambarene mit grosser Freude zur Kenntnis nahm. 1993 wurde sie vom Sohn des Erbauers renoviert und in einer ökumenischen Feier der Gemeinde zu neuem Dienst übergeben.
DIE GEDÄCHTNISKONZERTE
Seit 1971 findet jährlich zum Todestag Albert Schweitzers (4. September 1965) am ersten Septembersonntag ein Gedächtniskonzert statt, das von anerkannten Künstlern aus aller Welt gestaltet wird.
DAS ALBERT-SCHWEITZER-WERK GÜNSBACH
Günsbach ist heute das internationale Zentrum des Albert-Schweitzer-Werkes, das Freundeskreise in zahlreichen Ländern der Welt besitzt. Rund 7000 Besucher kommen jährlich in das Museum und werden so mit dem Leben und Denken Schweitzers bekannt gemacht. In Günsbach finden ferner regelmässig Tagungen und Kurse statt, die von vielen Interessierten besucht werden. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf der Aktualität des Denkens von Albert Schweitzer. So setzen sich etwa die «Günsbacher Gespräche» im Sinne Schweitzers für die Verbreitung erneuerbarer Energien (z.B. Sonnenenergie) ein. Über das weltweite Geschehen im Sinne Albert Schweitzers gibt jeweils der Jahresbericht des Internationalen Albert-Schweitzer-Zentrums Auskunft.
Das Albert-Schweitzer-Werk in Günsbach finanziert sich ausschliesslich aus den Spenden jener Menschen, denen das Denken Schweitzers wichtig geworden ist. Wir sind sehr froh, wenn auch Sie fortan unsere Arbeit unterstützen.
Frankreich:
Maison Albert Schweitzer, F-68140 Gunsbach, Telefon +33
389 77 31 42
Bank CIAL, F-68140 Munster, Kontonummer 424 02 112324, IBAN FR76 1003 7004 2442
4021 1232 442, BIC CMCIFR2S
Deutschland:
Volksbank Dreiländereck, Weil am Rhein, Konto
797057, BLZ: 683 900 00, IBAN DE26 6839 0000 0000 7970 57, BIC
VOLODE66
Schweiz:
Stiftung Albert-Schweitzer-Zentrum Günsbach, UBS Bern, PC 30-188-0, Konto 96-232,799.0 395
Sonja Poteau-Muller, Leiterin des
Albert-Schweitzer-Hauses
Christoph Wyss, Präsident der
Internationalen Albert-Schweitzer-Vereinigung (AISL)