Über Albert Schweitzer, die Hilfsvereine und die AISL erreichen mich via E-Mail viele Fragen. In Zusammenarbeit mit der Leiterin der "Maison-Albert-Schweitzer", Sonja Poteau-Muller in Günsbach, und Mitlgiedern der AISL, versuche ich die vielen Fragen rasch und korrekt zu beantworten.
Da viele von ihnen von allgemeinem Interesse sind, werde ich sie auf dieser Seite auflisten.
F: Was ist das "Geistige Werk"?
A: Albert Schweitzer war nicht nur der bekannte Urwaldarzt, sondern
auch ein bekannter Philosoph, der sich mit unserer Kultur befasste. Nachdem
er ein Werk über den Zerfall der westliche Kultur begann, stellte
er fest, dass er nicht nur über den Zerfall schreiben sollte, sondern
Ideen für ein Weiterbestehen und einen Wiederaufbau finden müsse.
So entstand seine Ethik der "Ehrfurcht vor dem Leben".
Für unsere Zeit sind seine philosophischen Schriften und Gedanken
sehr wichtig und voller wertvoller Anregungen. Um den Nachlass zu ordnen,
zu archivieren, zu veröffentlichen und der Nachwelt zu erhalten, wurde
das "Geistige Werk" gegründet. Ohne diesen geistigen Hintergrund ist
auch das Spital in Lambarene nicht denkbar.
Das Geistige Werk versucht auch, die Erinnerung an diesen einzigartigen
Mann und Weltbürger lebendig zu erhalten und Das Wissen über
ihn zu fördern. Eines der Mittel dazu, sind z.B. diese Internetseiten.
F: Wie kann ich dem Geistigen Werk finanziell
helfen?
A: Am einfachsten, indem Sie einen Betrag auf das Konto des lokalen
Hilfsvereins einzahlen. Gibt es in Ihrem Land keinen Hilfsverein, so können
Sie das Geld via Banküberweisung in die Schweiz, nach Deutschland
oder nach Frankreich senden.
Bitte vermerken Sie ganz deutlich, dass das Geld für das Geistige
Werk in Günsbach verwendet werden soll.
F: Mit einem Freund habe ich diskutiert, ob
Albert Schweitzer Christ gewesen sei?
A: Schweitzer liebte das Predigen und es war ihm ein Bedürfnis,
die Worte Jesu den Leuten näher zu bringen. Zu Beginn seiner Tätigkeit
in Lambarene war ihm das Predigen von der Missionsleitung in Paris verboten.
Doch auf die Bitten der ortsansässigen Missionare half er ihnen alsbald
aus.
Auf seinem tiefen Glauben an Christus hat er auch die Ethik der "Ehrfurcht
vor dem Leben" geprägt und ihr in seinen Schriften, Taten und Worten
Ausdruck gegeben.
F: Ich habe gehört, dass es von Albert
Schweitzer ein Gebet für Tiere gibt? Wo kann ich es finden? Wann wurde
es geschrieben?
A: Dieses Gebet taucht immer wieder auf. Es ist nicht von Albert Schweitzer
selber, jedoch in seinem Sinn geschrieben worden.
O Gott, erhöre unsere demütige Bitte für unsere Freunde,
die Tiere, und ganz besonders für die verfolgten Tiere, für die
überlasteten, Hunger leidenden und für die grausam behandelten
Tiere! Für jene armen, in Gefangenschaft befindlichen Geschöpfe,
die mit ihren Flügeln an die Gitterstäbe ihrer Käfige schlagen;
und für diejenigen, die verjagt, verloren oder in Schrecken und Hunger
preisgegeben sind, sowie für jene, die getötet werden sollen.
Wir bitten, Herr, für sie, um dein Mitleid und um deine Gnade;
und für diejenigen, denen ihre Pflege obliegt, bitten wir um ein barmherziges
Herz, weiche Hände und gütige Worte. Schaffe aus uns, Herr, wahre
Freunde unserer Tiere, mit denen wir den Segen deiner Grossmut teilen dürfen.
F: Hat Albert Schweitzer neben seinem Orgelspiel
auch Musik komponiert?
A: Nein. Albert Schweitzer war jedoch ein sehr begabter Klavier- und
Orgelspieler, der ausgezeichnet improvisieren konnte.
F: Hat sich Albert Schweitzer nur für
Bach und seine Musik interessiert?
A: Nein, er hat unter anderem auch Werke von Mendelssohn, César
Frank und Charles Marie Widor gespielt. Bach wurde ihm durch seinen ersten
Orgellehrer, Eugen Munch in Mülhausen, nähergebracht. Sein Orgellehrer
in Paris, Widor, ermunterte ihn, ein Buch über Bach und seine Werke
zu schreiben, damit die Franzosen den Zugang zu dessen Chorälen finden
würden. Als er die Bachbiographie ins Deutsche übersetzen wollte,
stellte er fest, dass dies unmöglich war. So entschloss er sich, die
ganze Biographie neu zu schreiben. Das 1908 erschienene Werk ist noch heute
eines der besten Werke über Bach.
F: Ich habe gehört, dass Schweitzer auch
Orgelwerke mit Anmerkungen für den Organisten veröffentlicht
hat?
A: In Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Charles Marie Widor und nach
dessen Tod mit dem Organisten Edouard Nies-Berger hat Albert Schweitzer die
Orgelwerke, Band I bis VI, im Verlag Schirmer in New York veröffentlicht.
Teile der Anmerkungen hat er während seinen Aufenthalten in Lambarene
auf seinem Tropenklavier erarbeitet.
F: Gibt es von Albert Schweitzer Orgelaufnahmen?
A: Albert Schweitzer hat in den 30er Jahren und später in den
50er Jahren Aufnahmen gemacht. Im Moment sind zwei CD-Aufnahmen aus den
30er Jahren erhältlich.
"Albert Schweitzer plays Bach", Volume I und Volume II, GEMM CD 9959
und GEMM CD 9992. Diese können direkt bei den Hilfsvereinen oder aber
in jedem Schallplattengeschäft bestellt werden.
F: Was ist die Funktion der verschiedenen Hilfsvereine?
Schon vor seiner ersten Ausfahrt nach Lambarene wurde Schweitzer von
Freunden im Elsass finanziell und mit Gaben unterstützt. Nach seiner
Rückkehr im 1. Weltkrieg musste er zuerst seine Schulden bei der Pariser
Mission abbezahlen.
In ganz Europa fand er Freunde, die ihm halfen. Eine Lehrerin aus dem
Emmental (Schweiz) sandte ihm regelmässig das "Eiergeld". Von Anna
Joos aus Trubschachen wurden die Helfer mit getrocknetem Gemüse und
Früchten, aber auch Binden und Kleidern, für die Kranken versorgt.
Daneben finanzierte er sein Spital mit den Erträgen aus seinen Büchern
und den Konzerten, die er in Europa gab.
Um 1949 wurden zuerst in der Schweiz und dann in vielen andern Ländern
Hilfsvereine gegründet, die dem Spital gewährte Hilfe auf eine
sicherere Basis stellten und ermöglichten, dass das Werk auch nach
dem Tode Albert Schweitzers weiterleben kann. Neben dem Sammeln von
Geld ist auch die Verbreitung des Gedankengutes von Schweitzer ein Ziel
dieser Vereine.
Alle Vereine sind in der "Association Internationale de l'oeuvre du
Dr. Albert Schweitzer de Lambarene" zusammengefasst. Durch diesen Dachverband
sind sie auch in der Spitalstiftung vertreten (AISL).
F: Albert Schweitzer lebte in Günsbach
im Elsass. Was ist heute in diesem Haus?
Aufgewachsen ist Schweitzer im Pfarrhaus von Günsbach, wo sein Vater während fünfzig Jahren Pfarrer war. Vor seiner ersten
Fahrt nach Lambarene kaufte er sich vom Bürgermeister ein Stück
Land, damit er in Günsbach jederzeit ein Stück Heimat habe.
Nach dem Tode seines Vaters 1925 hatte er in Günsbach kein Heim
mehr. Dank dem Goethepreis, den er 1928 von der Stadt Frankfurt erhielt,
konnte er sich sein Haus an der Strasse nach Münster bauen. Das Haus
war die europäische Zentrale seines Spitals und wurde von 1925 bis 1965
von Frau Emmy Martin betreut.
Heute ist im Haus ein Museum eingerichtet. Zudem befinden sich dort
das Zentralarchiv mit ca. 70'000 Briefen, die an Schweitzer, und ca. 10'000
Briefen die von Schweitzer an bekannte und unbekannte Persönlichkeiten geschrieben wurden.
F: Was ist aus dem Pfarrhaus geworden?
Das Pfarrhaus konnte 1989 von der AISL erworben werden und wurde inzwischen
zu einem Begegnungszentrum ausgebaut. Es finden dort Kurse und Studientage
statt (siehe Veranstaltungen). Auf Wunsch kann man in den schön hergerichteten
Zimmern übernachten und Ferien verbringen.
F: War Albert Schweitzer ein Deutscher oder
ein Franzose?
Geboren wurde Albert Schweitzer am 14. Januar 1875 als Deutscher, studierte
aber auch in Paris und gründete sein Spital in einer französischen
Kolonie. Als das Elsass 1918 zurück an Frankreich ging, erhielt er
automatisch die französische Staatsangehörigkeit.
Zu Hause wurde Französisch gesprochen. Sein Abitur und das Studium
absolvierte er an der deutschsprachigen Universität von Strassburg,
ebenso predigte er in der St. Nicolai-Kirche auf deutsch.
Als Elsässer kannte er die Spannungen, der das Land und viele
Familien durch die vielen Staatswechsel ausgesetzt waren. Schon früh
versuchte er zwischen den beiden Ländern und Völkern zu vermitteln.
Schweitzer fühlte sich allerdings als Weltbürger und keinem
einzelnen Land verpflichtet.
F: Wie wird das Albert-Schweitzer-Spital in
Lambarene finanziert? Wie viel kostet das Spital jährlich?
Das Budget für das Spital beträgt um die 4 Millionen Schweizer Franken.
Ein Viertel davon wird durch den Staat Gabun bezahlt. Die restlichen 3
Millionen werden durch Spendengelder finanziert. Der grösste Teil
kommt aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
F: Wo erhalte ich Informationen über das
Spital?
A: Die Hilfsvereine in Deutschland, Frankreich und der Schweiz geben
halbjährlich Bulletins oder Rundbriefe heraus. Diese können bei
den entsprechenden Vereinen bestellt werden.
F: Gibt es die Möglichkeit, in Lambarene
zu arbeiten? Welche Berufe werden dort benötigt?
Der grösste Teil des Pflegepersonal ist aus Gabun. Dennoch werden
auch weiterhin sog. "Expatriés" angestellt. Benötigt werden
Ärzte, Zahnärzte und Laboranten.
Wer sich für einen Einsatz in Lambarene interessiert, kann sich
mit Dr. med. Hanspeter Müller in
CH-Goldiwil, Tel. ++41 (33)/222 61 10, Fax ++41 (33)/222
61 10, in Verbindung setzen.
F: Gibt es noch andere Albert-Schweitzer-Spitäler?
Im Sinne von Albert Schweitzer wurden zu seinen Lebzeiten verschiedene
Spitäler gegründet und nach ihm benannt.
Heute existiert nur noch das "Hôpital Albert Schweitzer" in Deschapelles
in Haiti.
1947 las der amerikanische Farmer Larimer Mellon im Time Life Magazin
einen Bericht über Albert Schweitzer und Lambarene. Der Artikel war
für ihn eine Offenbarung und er wusste, dass er zusammen mit seiner
Frau Gwen Mellon-Grant etwas ähnliches machen wollte. Darauf nahm
er allen Mut zusammen und schrieb an den Urwaldarzt in Lambarene. Schweitzer
riet ihm, ebenfalls Medizin zu studieren, damit er den Kranken direkt, ohne
Mittler, helfen könne. Mellon studierte in Amerika Medizin und baute
in einer der ärmsten Gegenden in Haiti ein Spital, das er auf den
Namen Albert Schweitzers taufte. Seit über 40 Jahren versieht dieses
Spital im Sinne der „Ehrfurcht vor dem Leben“ seinen Dienst an der ärmsten
Bevölkerung. Wer sich für das Spital interessiert findet einen
Link auf dem Index.
F: Ich habe gehört, dass Schweitzer Ende
der 50-er Jahre stark angefeindet wurde und man ihn gar als Kolonialisten
verschrie?
Mitte der 50-er Jahre begann sich Schweitzer mit dem Problem der atomaren
Rüstung und der Auswirkungen auf unsere Umwelt, vor allem aber auf
die Menschheit, zu interessieren. Ihm war klar, dass die unkontrollierten
Versuche in der Atmosphäre das Erbgut der Menschen schädigten
und wir damit auf lange Zeit hinaus alles Leben auf der Erde vernichten
würden.
Der kalte Krieg war kurz vor einem ersten Höhepunkt und Schweitzer
wollte sich nicht auf die Politik einlassen. Nach langem Zögern und
auf Drängen vieler Freunde, äusserte er sich am 23. April 1957
über Radio Oslo zu diesem Problem.
Ein Jahr später, Ende April 1958, liess er über Radio Oslo
drei weitere Appelle verbreiten, die unter dem Titel "Friede oder
Atomkrieg" auch als Buch herauskamen.
Viele Politiker und Journalisten verstanden nicht, warum sich Schweitzer
dagegen wehrte und scharfe Appelle und Forderungen an die ganze Welt stellte.
Die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb: "Der verehrte Name Albert Schweitzers
darf nicht davon abhalten, festzustellen, dass dieses Dokument politisch
und philosophisch, militärisch und theologisch wertlos ist. Das Wagnis,
das er dem Westen zumutet, ist an sich schon ungeheuerlich. Das Urteil
über Amerika und die Sowjetunion andrerseits macht es vollends unmöglich,
Albert Schweitzers Rat ernsthaft in Erwägung zu ziehen."
Auch sein langjähriger Freund, der deutsche Staatspräsident
Theodor Heuss, den er vor dem 1. Weltkrieg in Strassburg getraut hatte,
machte ihm grosse Vorwürfe.
Da sich Albert Schweitzer immer sehr sorgfältig vorbereitet und
alle ihm zugänglichen Quellen studiert hatte, konnte man ihm nicht
vorwerfen, dass er die Fakten falsch ausgelegt habe, und sie mit wissenschaftlichen
Argumenten widerlegen. Einfacher war es, seine Gesinnung gegenüber
den Gabunesen, sein Spital und die immense Arbeit in Zweifel zu ziehen,
um ihn unglaubwürdig erscheinen zu lassen.
F: Stimmt es, dass Albert Schweitzer Rassist
war?
Nein! Wenn wir heute seine Berichte lesen, die er in den 20er Jahren
aus Lambarene nach Europa gesandt hat, so kann man solche Vermutungen anstellen.
Man muss allerdings den damaligen Sprachgebrauch beachten und sieht dann
sofort, dass dies nicht der Fall ist.
Als Rassist gibt man auch nicht ein erfolgreiches Wirken als Professor
an der Universität auf, um im unfreundlichen Busch unter schwersten
körperlichen Bedingungen die dringend benötigte Hilfe zu leisten.
F: Welche Bücher über das Leben
Schweitzers und sein Spital schlagen Sie zum Lesen vor?
Es gibt viele Bücher, die diese Themen behandeln. Eines der schönsten
Bücher über Albert Schweitzer ist das Buch von Sonja Poteau-Muller
"Albert Schweitzer-Homme de Gunsbach et Citoyen du Monde". Im Moment
ist es leider nur auf Französisch erhältlich.
Auch heute, über 70 Jahre nach ihrer Entstehung, sind die Bücher
von Albert Schweitzer "Zwischen Wasser und Urwald" und "Aus meinem Leben
und Denken" sehr zu empfehlen.
Besonders reichhaltig und interessant sind die Briefe von Victor Nessmann,
dem ersten Arzt an der Seite von Albert Schweitzer, die er von Lambarene
an seine Eltern geschrieben hat. Auch dieses Buch ist nur in Französisch
erhältlich.
F: Was kann ich tun, um die Ethik von Schweitzer
zu verbreiten und an die Kinder weiterzugeben?
Für Lehrer und Schüler existieren verschiedene Unterrichtseinheiten.
Es gibt auch verschiedene Büchlein und Texte, die speziell für
Kinder und Schüler herausgegeben wurden. Neu herausgegeben wurde diesen
Herbst ein Bildbändchen „Mein Pelikan“. Albert Schweitzer beschriebt
darin das Leben in Lambarene aus der Sicht eines Pelikans.