Es ist ganz natürlich, dass ein Mann von der Ausstrahlung Schweitzers auch ausserhalb seines Heimatlandes auf grosses Interesse und Anerkennung stossen musste. Seine Tätigkeit beschränkte sich ja nicht auf Lambarene, sondern wurde gezwungenermassen weltweit getragen. Seine Konzerte und Vorträge in vielen Ländern waren denn auch im wesentlichen dazu bestimmt, den Spitalbetrieb in Lambarene zu finanzieren.
Wenn er sicher als Arzt und Bauherr in der ganzen Welt bekannt war, so erhielt er auch als bedeutender Organist, Musikkenner, Philosoph und Theologe weit über die Grenzen seiner elsässischen Heimat hinaus internationale Anerkennung. Ab 1949, d.h. zu seinen Lebzeiten (er war damals 74 Jahre alt), wurden die verschiedenen Hilfsvereine in Deutschland, Frankreich, Schweden, Holland, England, USA usw. gegründet. Ihr Zweck war es, dem Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene im Rahmen seiner Möglichkeiten die nötigen Mittel zur Weiterführung seiner Tätigkeit zu verschaffen und auf lange Zeit zu sichern.
In diesem losen Gefüge der internationalen Hilfe war Schweitzer selber der unermüdliche Koordinator, der es zustande brachte, dass die notwendigen Medikamente und Materialien rechtzeitig zur Verfügung standen und Doppelspurigkeit vermieden wurden.
Um das Werk und Denken des grossen Mannes weltweit zu festigen, wurde die internationale Vereinigung AISL gegründet. Sie hat ihren Sitz in Günsbach / Elsass und ist dem französischen Recht unterstellt. Sehr konkret gesehen, möchte die AISL die Philosophie und das Gedankengut Schweitzers Menschen aus aller Welt zugänglich machen. Sie unterhält zu diesem Zweck das Albert-Schweitzer-Archiv und Museum in Günsbach.
Was die spitalspezifischen Bedürfnisse betrifft, hat die AISL eine internationale Stiftung im Gabun gegründet, deren Ziel die Koordination der materiellen Hilfe für das Spital ist. Da diese Hilfe aus vielen Ländern stammt, muss sie natürlich so organisiert sein, dass sich die Lieferungen ergänzen und nicht gleichzeitig gleiche Waren oder Medikamente eintreffen, die durch die Lagerung im tropischen feuchten Gabun vor dem Gebrauch Schaden nehmen. Die AISL hat ihrerseits die Wichtigkeit der internationalen Beziehungen wahrgenommen und bemüht sich in unermüdlicher Weise, das Lebenswerk Schweitzers in die Welt hinauszustrahlen. Dem Verein gehören denn auch Albert-Schweitzer-Freunde aus 14 europäischen Ländern sowie aus den USA, Gabun und Japan an, die sich mindestens einmal alle zwei Jahre im Elsass treffen.
So wie es auf politischer Ebene glücklicherweise weltumspannende Organisationen gibt, damit die Leute miteinander reden können, so gibt es auch die AISL, damit sich Albert-Schweitzer-Freunde aus den verschiedensten Ländern verständigen können. Wohl ist nicht immer ein direkter Nutzen daraus abzuleiten, aber was ohne gegenseitige Verständigung alles schiefgegangen wäre, kann niemand ermessen.