Lambarene

Das Urwaldspital von Albert Schweitzer

Quelle: "Schweizer Hausapotheke", Nr. 4796; © 1996 by Jean-Paul Käser, CH-2502 BIEL

Albert Schweitzer und sein "Urwaldspital" in Lambarene sind untrennbar miteinander verbunden.
Wo steht "Lambarene" heute, mehr als dreissig Jahre nach dem Tod des Gründers?


Albert Schweitzer (1875 bis 1965) war dreissig Jahre alt, als er sein Medizinstudium in Angriff nahm. Sein Leben bekam damit eine entscheidende Wende. 1913 verliess er Europa, um in Westafrika als Arzt und Missionar seinen nimmermüden Tätigkeitsdrang in ein Werk zu investieren, für das er 1954 den Friedensnobelpreis erhielt. Die Aura des "Urwalddoktors" ist seit seinem Tod nicht verblasst, auch wenn kritische Stimmen im Zusammenhang mit Albert Schweitzer gelegentlich von protestantischer Heiligenverehrung sprechen.

Lambarene

Das von Albert Schweitzer gegründete "Urwaldspital" liegt knapp 200 Kilometer südlich des Äquators im westlichen Zentralafrika. Lambarene ist die Hauptstadt einer der neun Provinzen der Republik Gabun und zählt etwa 15'000 Einwohner. Erschlossen ist Lambarene mit einem Flugplatz, der zweimal wöchentlich angeflogen wird; die Stadt liegt an einer erst kürzlich ausgebauten Hauptverkehrsader zwischen Libreville, der Hauptstadt Gabuns, und Zaire. Gabun ist etwa halb so gross wie Frankreich, hat aber nur eine Million Einwohner. Dank Erdöl, Bodenschätzen und Tropenhölzern gehört Gabun nicht zu den allerärmsten Ländern in Afrika. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufgrund des Preiszerfalls für Erdöl und im Zusammenhang mit der Entwertung der lokalen Währung sind jedoch gross.

Das "Urwaldspital"

Das von Albert Schweitzer 1913 gegründete Hospital ist immer noch eine private Institution. Das Spital wird von der Republik Gabun teilweise subventioniert und ist für die medizinische Grundversorgung der Region Lambarene zuständig. Heute umfasst das Spital in Lambarene chirurgische und allgemein medizinische Abteilungen, Kinderklinik, Frauenklinik, geriatrische und psychiatrische Stationen. Angegliedert an das Spital sind weiter eine Zahnklinik und ein Labor, in welchem Therapie und Prophylaxe von Malaria erforscht werden.
Weiter besteht eine Polyklinik, die ambulante medizinische Versorgung anbietet. Im Urwaldspital von Lambarene arbeiten 120 afrikanische Angestellte zusammen mit sechs bis sieben Ärzten aus Europa und Afrika. Das Spital kann bis zu 180 Patienten aufnehmen. Pro Tag werden ungefähr 120 Konsultationen und neun bis zehn chirurgische Eingriffe vorgenommen. Die jährlichen Ausgaben von etwa dreieinhalb Millionen Franken werden zu je einem Drittel vom gabunesischen Staat, vom deutschen und vom schweizerischen Hilfsverein für das Lambarene-Spital getragen. Weitere Hilfsvereine aus Frankreich, Italien, England, Schweden und den USA übernehmen ebenfalls einen Teil des Aufwands.

Entwicklungszusammenarbeit

Seit Herbst 1995 ist der Murtener Apotheker Pierre Bersier Präsident des internationalen Stiftungsrates, der für die Leitung des Spitals verantwortlich ist. Er setzt sich dafür ein, dass die Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden. "Das Lambarene Spital ist ein interessantes Werk mit einer langen Geschichte", führt Pierre Bersier aus. "Nach dem Tod von Albert Schweitzer hat es weiterhin funktioniert, weil sich immer wieder Menschen fanden, die sich in und für Lambarene engagiert haben." 1986 begann Pierre Bersier mit der Betreuung der Spitalapotheke in Lambarene. Ein Jahr später war er selbst während fünf Monaten in Gabun; seither kehrt er jedes Jahr für eine bis zwei Wochen nach Lambarene zurück.

Blick in die Zukunft

Die Aufgabe des neuen Stiftungsratspräsidenten ist nicht einfach: die 1975 in Betrieb genommenen Gebäude sind renovationsbedürftig und die Trink- und Abwasseranlagen müssen erneuert werden. In Gabun geniesst das Spital von Lambarene ein hohes Ansehen und der Staat ist daran interessiert, die Einrichtungen möglichst ins öffentliche Gesundheitswesen zu integrieren; die Landsleute würden eine Vergrösserung und Modernisierung begrüssen. Dagegen sprechen wirtschaftliche Überlegungen der europäischen Stiftungsratsmitglieder, die das Spital in erster Linie funktionstüchtig erhalten möchten und dessen Finanzierbarkeit langfristig sicherstellen wollen. Die schrittweise Vergrösserung soll sich an den vorhandenen Möglichkeiten orientieren.
Wichtig ist laut Pierre Bersier eine angemessene Unterstützung des "Urwaldspitals": "Wenn Gabun auch nicht zu den ärmsten Ländern des schwarzen Kontinents gehört, so kommen Zuwendungen doch weitgehend den Ärmsten zugute." Besonders unterstützt werden sollen in Zukunft die Vorsorgeprojekte. "Wir wollen vom Spital aus in die Dörfer hinein wirken", ergänzt der Präsident des internationalen Stiftungsrates. Im Gegensatz zu anderen entwicklungspolitischen Organisationen betreuen die breit gestreuten und meistens ehrenamtlich tätigen Freunde von Lambarene nur gerade das eine Projekt "ihres" Gründervaters und müssen deshalb nur einen bescheidenen Teil der Spenden für Administration und Spesen aufwenden.


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Catherine Hool Twerenbold
Schweizer Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene
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Telefon 043 317 13 62
Telefax 043 317 13 42

E-Mail: shv@schweitzer.org

oder das Sekretariat der Spitalstiftung

Fondation Internationale de l'Hôpital Albert Schweitzer à Lambaréné
22, place des Halles
67000 Strasbourg
Tel / Fax : +33 (0) 3 88 32 71 44

Mail : assistante.fondation@schweitzer.org

Spenden für das Albert Schweitzer-Spital in Lambarene können auf das Konto

Schweizer Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene, Sumiswald, 60-301657-4 einbezahlt werden.


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Letzte Aenderung 19. Oktober 1996